Das war der Bildungsfrühling – ein Rückblick aus der „frischen böe“

Die letzten Apriltage waren Tage des Bildungsfrühlings 2011. Das WUK, Wiener Werkstätten und Kulturhaus, stellte die passenden Räumlichkeiten für Forum, Erlebniswelt und Symposium auf mehreren Etagen zur Verfügung. Die Kunsthalle Exnergasse bot Raum für Kunstwerke und Theater- und Gesangsdarbietungen der Kinder von Schulen in freier Trägerschaft, in der eigens gestalteten Agora wurde von Bildungsexperten vorgetragen und diskutiert. Im Vordergrund standen dabei demokratisches Bewusstsein und neue Formen des Lernens, wie z.B. Lernen auf Basis von Beziehungsbildung auf emotionaler, stofflicher und geistiger Ebene.

Initiative

Die InitiatorInnen des Bildungsfrühlings, Claudia Gerhartl und Alexander Hasenburger (SchülerInnenschule, WUK), wollten die langjährige Erfahrung und Expertise selbstverwalteter, gemeinnütziger Bildungseinrichtungen von 0-18 mit reformpädagogischen Schwerpunkten öffentlich sichtbar und als gleichwertige Diskussionspartner im bildungspolitischen Diskurs hörbar machen.

„Bildungsexperten weisen in vielen Studien genau darauf hin, dass Lernen, wie wir es praktizieren, etwas Zukünftiges ist“, so Alex Hasenburger in einem Interview (freigeist frühling 2011).

effe

Anne Liekenbrock, Director von Effe International (European Forum for Freedom in Education) in Brüssel, und Eva Becker (effe Österreich), informierten am Samstag anlässlich des Open Council über die laufende Lobbying Arbeit, die effe für gemeinnützige Bildungseinrichtungen auf Europäischer Ebene vorantreibe, und betonte dabei das steigende Interesse an preschool education (vorschulischer Bereich) der europäischen Bildungspolitik.

Mit effe als Träger des Bildungsfrühlings öffnete sich der Raum für internationale Begegnungen, was vor allem das zweitägige parallel zum Forum tagende Symposium äußerst interessant gestaltete.

Symposium

BildungsexpertInnen aus Theorie und Praxis erforschten die Bildungsqualität heute und entwarfen Zukunftsszenarien für 2030. Grundlegend waren sich alle TeilnehmerInnen einig, dass der Erwerb von Sach- und Systemkompetenz nur auf Basis einer nachhaltigen Entwicklung von Selbst- und Sozialkompetenz aufbauen kann. Einfacher gesagt: der Weg zum Wir führt mit allen Sinnen vom Ich zum Du.

In die Überlegungen miteinbezogen wurden globale und regionale Veränderungen, die die Bildungslandschaft nachhaltig beeinflussen können: Wertewandel, demographischer und sozialer Wandel, Digitalisierung, Lehr- und Lernkonzepte,…

Nahezu unisono wurde von verschiedenen Gruppen ein Worst Case Szenario einer möglichen zukünftigen Bildungslandschaft erarbeitet: Normierung, Erstarrung, Einfalt und Ghettoisierung leisten Vorschub für totalitäre Machtverhältnisse und das Durchsetzen von Partikularinteressen.

Ebenso klar sichtbar wurde das Best Case Szenario für 2030: Hier erwartet und eine Bildungslandschaft geprägt von Vielfalt, sozialer und struktureller Durchlässigkeit, Verbundenheit, Kreativität und Lebendigkeit, eine starke Zivilgesellschaft mit mündigen, selbstbestimmten Menschen, an der möglichst alle teilhaben.

Dabei wurden auch Strategien angedacht, dem Best Case einen Schritt näher zu kommen: Informieren, Verhandeln, Einladen, Partnerschaften bilden, Wissenschaft und Forschung im Bildungsbereich forcieren.

Ganz klar sichtbar wurde die große Bereitschaft der Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft von 1-18 Jahren, ihre Ressourcen allen Kindern und Eltern unabhängig von sozialer oder ethnischer Herkunft zur Verfügung zu stellen. Damit verbunden ist der Ruf nach dem Recht der Eltern auf die freie Wahl des Bildungsweges ihrer Kinder und der Forderung nach ausreichenden finanziellen Mitteln für alle Einrichtungen, die qualitätsvolle Bildungsarbeit leisten.

Miteinander

Der Blick zurück offenbart, dass im Zentrum des diesjährigen Bildungsfrühlings das Kennenlernen und Vernetzen vieler verschiedener Interessensvertretungen stand: schulischer (6-18) und elementarer Bereich (0-6), Waldorf, Montessori, Netzwerk-Schulen, elternverwaltete Kindergruppen und -krippen, Krabbelstuben, öffentliche Schulen und Kindergärten, Zukunftsforscher, Eudec, effe….

So stand an oberster Stelle das Verhandeln der Vielfalt: Zuhören, Erzählen, Gemeinsamkeiten finden und Unterschiede stehen lassen, sich berühren und inspirieren lassen und – voneinander lernen.

verfasst von Tanja Täuber

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